People Doing Moves // Offal // Not No Horrorcore Shit

Die drei Arbeiten wurden von der Vermittlungsplattform berlin | raum für videokunst speziell für die Räumlichkeiten der Galerie „Der Mixer” zusammengestellt.

Nils Löfke: People Doing Moves

2017, Video, 8:36 min

In der Videoarbeit „people doing moves“ ist eine Gruppe junger Männer in Hipster- Klamotten zu beobachten, die jeweils kurze Bewegungssequenzen ausführen. Dabei setzen sie ihren Körper auf ungewöhnliche und auch witzige Weise ein und formen dadurch für einen kurzen oder finalen Moment individuelle oder soziale Skulpturen im Raum.

Nils Löfke studierte von 2012 bis 2018 an der Hochschule für bildende Künste Hamburg Film, Performance, Zeitbasierte Künste. Er ist Mitglied in den Künstlerkol- lektiven Hä*Wie!? sowie Taet Vremya & Birdmilk.

 

Ida Lennartsson: Offal

2017, Video, 9:42 min

Die Aufnahmen für die Videoarbeit Offal (Innereien) wurden während eines Japan-Aufenthalts der Künstlerin in ihrer Wohngegend, dem ehemaligen Rotlichtviertel Yokohama, gedreht. Sie zeigen ihren entblößten Körper in einem kargen Appartement, umgeben von leeren Plastik aschen und Haufen zerknüllter Taschentücher. Irgendetwas scheint nicht zu stimmen, der Körper der Künstlerin wirkt eigentümlich entrückt, die Flüssigkeiten und benutzten Taschentücher deuten darauf hin, dass sich der Körper infiziert hat, nur mit was?

Die reduzierten Handlungen sind dem minimalistischen, existentiellen Formvokabular des Butoh-Tanzes entlehnt, mit dem sich Lennartsson in Japan intensiv befasste. Die Protagonistin ist auf eine eigentümliche Weise auf ihre Körperlichkeit konzentriert, die zwischen Empfindsamkeit, Leiden und Selbstbehauptung oszilliert.

Ida Lennartsson wurde 1982 in Schweden geboren. Heute lebt und arbeite sie in Berlin. Sie studierte Kunst in Oslo und Hamburg. Ida Lennartsson setzt sich in ihrer Praxis u.a. mit dem Körper und körperlichen Prozessen auseinander. Dabei werden auch Elemente der Verletzlichkeit und des Verfalls visualisiert, die in der öffentlichen Darstellung des Körpers tabuisiert werden oder mit Ekel assoziiert sind.

Benjamin Zuber: Not No Horrorcore Shit

2014, Video, 10:14 min

Der Titel des Videos verweist auf eine Textzeile des Underground-Hiphop-Songs, dessen bedrohlich wirkende Melodie über treibendem Beat im Verlauf des Videos zu hören ist und zweimal wiederholt wird: „Let me put my cape on, my rubber and my mask up. Not, no horror-core shit, this is pornocore” (Kool Keith: “Sexstyle” ). Das Video ist mit der Webcam eines MacBooks aufgenommen. Man sieht einen davorsitzenden, hellhäutigen jüngeren Mann in schwarzem Hoodie und Baseballcap in einem dunklen Raum, das Gesicht nur durch den fahlen Schein des Bildschirms erleuchtet. Nachdem die Musik einsetzt, rappt der Protagonist karaokeartig den Original- Songtext und kämpft dabei sichtlich mit dem Tempo, der scharfen Rhythmik und dem obszönen, politisch in jeder Hinsicht unkorrekten Wortschatz des Original-Songs. Doch mit dem zweiten und dritten Durchlauf gewinnt er an Sicherheit.

Benjamin Zuber, geboren 1982, lebt und arbeitet in Berlin. Er studierte u.a. in Karlsruhe, Wien und Nürnberg.
In seinen Videos und Performances setzt Benjamin Zuber häufig auf Versuchsanordnungen für sich selbst, mit Abläufen, die zwar konzeptionell durchgespielt werden können, sich aber erst in der physischen Durchführung verwirklichen – ohne das Ergebnis unter Kontrolle zu haben.